Besondere Vorfälle

Bei der Oscarverleihung 1938 wurde die Statuette für die beste Nebendarstellerin vor aller Augen von der Bühne gestohlen. Die Preisträgerin Alice Brady hatte sich den Fuß gebrochen und konnte daher nicht an der Verleihung teilnehmen. Die Auszeichnung wurde von einem Betrüger entgegengenommen, der unerkannt verschwinden konnte und nie ermittelt wurde. Brady wurde später eine Kopie des Preises überreicht.
Mehrere Künstler verweigerten die Annahme des Oscars. Als Erster lehnte Dudley Nichols bei der Oscarverleihung 1936 seine Auszeichnung für das beste adaptierte Drehbuch zu Der Verräter ab, da er im Streit mit der Filmakademie lag. 1971 verweigerte der Schauspieler George C. Scott die Annahme der Auszeichnung für die Hauptrolle in Patton – Rebell in Uniform und protestierte gegen die zunehmende „Fleischbeschau“ in der Filmindustrie. Marlon Brando weigerte sich 1973, den Preis für die Hauptrolle in Der Pate entgegenzunehmen, aus Solidarität mit der US-amerikanischen Indianerbewegung, und schickte stattdessen die Indianerin Sacheen Littlefeather zur Veranstaltung. In der von Brando vorbereiteten Rede machte Littlefeather auf die Unterdrückung der Bürgerrechte der Indianer und besonders auf die Protestaktionen des American Indian Movement bei Wounded Knee aufmerksam. Littlefeather konnte aufgrund der begrenzten Redezeit nur ein improvisiertes Statement abgeben; sie verlas den gesamten Text erst hinter der Bühne vor den dort anwesenden Journalisten.
Bei der Oscarverleihung 1962 gelang es dem New Yorker Taxifahrer Stan Berman, sich auf die Bühne zu schleichen und einen selbstgemachten „Oscar“ für Moderator Bob Hope zu präsentieren. Berman nannte einen Bezug auf das Jahr 1938, in dem Hope seine erste Rolle in einem abendfüllenden Spielfilm (The Big Broadcast of 1938) hatte.
Bei der Oscarverleihung 1986 verstarb die Schauspielerin Sarah Cunningham während der Show in der Lobby an einem Asthma-Anfall.
Bedingt durch die große Resonanz der Oscarverleihung war die Veranstaltung gelegentlich auch ein Podium für öffentlichkeitswirksame Auftritte mit politischem Anliegen. Bei der Oscarverleihung 1974 rannte der Flitzer Robert Opel nackt über die Bühne und zeigte dabei das Friedenszeichen, als David Niven gerade eine Rede für die Schauspielerin Elizabeth Taylor hielt. Michael Moore nutzte seine Dankesrede zu seinem Oscar für Bowling for Columbine 2003, um US-Präsident George W. Bush wegen des amerikanisch-britischen Kriegs gegen das irakische Regime von Saddam Hussein scharf anzugreifen („Shame on you, Mr. Bush!“).
Im selben Jahr blieb der Rapper Eminem der Show fern, da er sich weigerte, mit einer „entschärften“ Version seines Gewinnersongs „Lose Yourself“ aus dem Film 8 Mile aufzutreten.
Bei der Oscarverleihung 2010 kam es zu einem kleinen Eklat, als Music by Prudence als bester Dokumentar-Kurzfilm ausgezeichnet wurde. Gerade als Regisseur Roger Ross Williams zu seiner Dankesrede ansetzte, stürmte Elinor Burkett auf die Bühne und unterbrach die Rede. Die ursprüngliche Idee zum Film stammte von ihr, sie war jedoch aufgrund von Differenzen bereits im Jahr zuvor von ihren Aufgaben bei dem Projekt entbunden worden.
Bei der Oscarverleihung 2017 präsentierten Warren Beatty und Faye Dunaway den Preisträger in der Kategorie Bester Film. Dunaway sprach nach Zögern von Beatty irrtümlich dem Musical La La Land die Auszeichnung zu; tatsächlich hatte aber das Drama Moonlight den Oscar gewonnen. Beatty war zuvor fälschlicherweise der Umschlag mit der Gewinnerin der Kategorie Beste Hauptdarstellerin, Emma Stone in La La Land, ausgehändigt worden. Dies wurde erst nach den Dankesreden der La-La-Land-Produzenten Jordan Horowitz, Marc Platt und Fred Berger korrigiert. Im Jahr darauf gaben Beatty und Dunaway erneut den Oscar-Gewinner in der Kategorie Bester Film bekannt, diesmal ohne einen Fehler.